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19. Mai 2020

Durch die Coronakrise sind in der Schweiz immer mehr Menschen von Armut betroffen oder führen ein Leben am Existenzminimum. Wer bereits vor der Krise Mühe hatte, finanziell über die Runden zu kommen, rutscht wegen Kurzarbeit oder dem Verlust der Arbeitsstelle rasch unter die Armutsgrenze. Betroffen sind nicht nur alleinstehende Menschen, sondern zunehmend auch Familien. Ein neues Phänomen ist auch, dass sich von Armut betroffene Menschen vermehrt direkt telefonisch bei der Schweizer Tafel melden und um Hilfe bitten. Dieser Umstand macht die verzweifelte Situation vieler Menschen und die neue Dimension der Armut in der Schweiz deutlich.

Die Zunahme von armutsbetroffenen Menschen spürt auch die Schweizer Tafel. Seit Beginn der Krise ist die Nachfrage nach Lebensmitteln punktuell deutlich angestiegen. Dieser Anstieg hat auch sichtbare Auswirkungen auf die gelieferten Mengen und die Logistik der Schweizer Tafel. Vor der Krise lieferte die Schweizer Tafel beispielsweise einmal pro Woche etwa 1.8 Tonnen Lebensmittel an die gemeinnützige Basler Abgabestelle DaN. Durch die Krise hat sich die Nachfrage von bedürftigen Menschen nach Lebensmitteln fast verdoppelt. Die Schweizer Tafel beliefert DaN seither an einem weiteren Wochentag mit zusätzlichen 1.5 Tonnen.

Dramatisch ist die finanzielle Situation auch für Sexarbeiterinnen in der Schweiz. Seit Beginn der Coronamassnahmen dürfen diese Frauen nicht mehr arbeiten und haben derzeit kein Einkommen. Die Schweizer Tafel beliefert deshalb neu die Waadtländer Organisation Perla, die sich für bessere Arbeitsbedingungen von Sexarbeiterinnen und gegen Menschenhandel engagiert. Weil diese Frauen oft von ihren Arbeitgebern kontrolliert und in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden, bringt Perla die Lebensmittel direkt in die Salons und Etablissements, in denen die Frauen arbeiten.

Die Krise stellt auch die Schweizer Tafel organisatorisch vor Herausforderungen. Viele der freiwilligen Helferinnen und Helfer gehören altersmässig zur Risikogruppe. Dank dem freiwilligen Engagement von jüngeren Helfern und Zivildienstleistenden war die Verteilung der Lebensmittel an Bedürftige in sozialen Institutionen wie Obdachlosenheimen, Gassenküchen, Notunterkünften und Abgabestellen sichergestellt.

Einige Organisationen haben ihre Dienstleistungen mit kreativen Lösungen kurzerhand den neuen Bedingungen angepasst. Eine Gassenküche in Vevey hat beispielsweise ihr Angebot auf ein Take-Away-Angebot umgestellt. Ein lokales Restaurant hat aus den von der Schweizer Tafel gelieferten Lebensmitteln Fertig-Menüs gekocht und sie mit Hilfe von Zivildienstleistenden anschliessend zur Gassenküche transportiert.

Auch auf Lebensmittel-Spenderseite hat die Krise neue Kollaborationen ermöglicht. Neben den bisherigen Grossverteilern ist die lebensmittelverarbeitende Industrie, in Folge der Schliessung der Gastronomiebetriebe, neu dazugekommen. In den vergangenen Wochen haben die Fahrerinnen und Fahrer der Schweizer Tafel Sonder-Touren gefahren und zusätzliche Fahrzeuge benötigt, um die enormen Mengen an Lebensmitteln möglichst rasch abzuholen und an soziale Institutionen zu liefern. In Folge vermehrter Spenden von länger haltbaren Lebensmitteln mussten in den vergangenen Wochen die Lagerkapazitäten der Schweizer Tafel aufgestockt und zusätzliche Lagerräume angemietet werden.

Medienmitteilung vom 19.05.2020