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«Es ist wichtig, sich Hilfe zu holen»

Alain Langel

Happy Birthday Tables du Rhône / Rottu Tisch

Unser Partner im Wallis feiert sein 10-jähriges Jubiläum.

«Un joli challenge» nennt Alain Langel seine Aufgabe. Damit ist nicht nur sein Amt als Präsident von Tables du Rhône / Rottu-Tisch gemeint, sondern auch die Organisation des 10-jährigen Jubiläumsfest. Denn im Herbst wird im Wallis gefeiert. Und wenn schon, dann richtig. Tables du Rhône /Rottu-Tisch ist Ehrengast an der grössten Messe der Romandie, der Foire du Valais. Die Vorbereitungen sind im Gange, ein Komitee, bestehend aus engen Freunden des Präsidenten, plant und koordiniert seit Monaten. «Ich wünsche mir, dass mehr Walliserinnen und Walliser uns kennen. Dafür brauchen wir mehr Sichtbarkeit.» Die Messe bietet die beste Gelegenheit: es werden etwa 250 000 Besucherinnen und Besucher erwartet.

Die Schweizer Tafel ist – zusammen mit Tischlein deck dich – Partner von Tables du Rhône / Rottu-Tisch. Seit 2006 verteilt der Verein in der Region Chablais vaudois und im französischsprachigen Teil des Wallis Lebensmittel. Das Oberwallis wird von der Partnerorganisation Rottu-Tisch bewirtschaftet. 344 743 kg Lebensmittel verteilte Tables du Rhône / Rottu-Tisch im Jahr 2014, ihr Motto ist «partager plutôt que gaspiller».


Ein schöner Mix für eine spezielle Region

Genau wie die Schweizer Tafel holt Tables du Rhône überschüssige, einwandfreie Lebensmittel mit Kühlfahrzeugen im Detailhandel ab. Vereinzelt werden auch Produzenten angefahren.Zurzeit beliefert Tables du Rhône/ Rottu-Tisch 13 soziale Institutionen. Die Verteilung der Lebensmittel findet jedoch vor allem an Abgabenstellen statt, welche von Freiwilligen betreut werden – analog dem Konzept von Tischlein deck dich. 300 freiwillige Helferinnen und Helfer engagieren sich für Tables du Rhône / Rottu-Tisch, davon sind etwa 50 Fahrer und Fahrerinnen. «Mit dem Fest wollen wir auch unseren Bénévoles danken für ihre wertvolle Zeit. Es soll auch ein Fest für sie werden.» Freiwillige Helferinnen und Helfer zu finden war nie ein Problem im Wallis. Im Gegenteil, «wir haben sehr viele Anfragen, leider müssen wir teilweise sogar absagen. Und die Personen, die sich engagieren, tun das sehr langfristig», freut sich Alain Langel. Er vermutet, dass dies auch an den Gegebenheiten der Region liegt. Solidarität, Kameradschaft und Lokalpatriotismus könnten Gründe sein. Man hilft sich aus – von Walliser für Walliser.

Sich für die Armut schämen
Viel schwieriger sei es, bedürftige Menschen auf das Angebot von Tables du Rhône / Rottu-Tisch aufmerksam zu machen. Obwohl es auch viele armutsbetroffene Walliser gäbe, kämen mehr Personen mit Migrationshintergrund zu den Abgabestellen. «Natürlich ist das kein Problem, denn wir sind für alle da», so Alain Langel. «Doch ich vermute, dass auch dies mit der Region zu tun hat. Es gibt wenig Anonymität hier, und viele schämen sich für die Armut. Dabei ist es richtig und wichtig, sich Hilfe zu holen und mit dem Bezug von Lebensmitteln sein Budget zu entlasten. An dieser Botschaft müssen wir noch arbeiten.»

Dass versteckte Armut im Wallis existiert, wussten auch die Gründer von Tables du Rhône / Rottu-Tisch: André Gex-Collet arbeitete damals beim Sozialdienst in Monthey und war täglich damit konfrontiert. Er aktivierte sein Netzwerk und zu viert gründeten sie den Verein Tables du Rhône / Rottu-Tisch, bauten ihn auf und aus. Heute verfügt Tables du Rhône / Rottu-Tisch über fünf Kühlfahrzeuge und ist verankert in der Region.

Netzwerk und Visionen
Gut verankert ist auch Alain Langel. Der ehemalige Optiker mit eigenem Geschäft im Monthey konnte mit 61 Jahren in den Ruhestand gehen, sein Geschäft übernahm sein Neffe. Nach seiner Pensionierung nahm er sich ein Jahr lang Zeit um zu überlegen, wo und in welcher Form er sich engagieren will, um der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Über seinen Freundeskreis stiess er zu Tables du Rhône / Rottu-Tisch und wollte dort als freiwilliger Helfer tätig sein. Nachdem der damalige Präsident Siegfried Dengler ihn fragte, ob er nicht sogleich das Präsidium übernehmen wolle, gab sich Alain Langel einen Ruck. «Man kann nicht zu lange überlegen, was man machen will. Sonst macht man nie etwas», lacht er.

Ideen, was man bei Tables du Rhône / Rottu-Tisch verändern oder optimieren kann, hat er genug – und setzt diese nun gezielt um. So ist seit bald einem Jahr Daniel Rettenmund als Koordinator zu 100 % angestellt. Die Suche nach finanziellen Partnern soll intensiviert werden. Und Alain Langel will Tables du Rhône / Rottu-Tisch noch stärker positionieren. Die Foire du Valais ist in diesem Jahr genau der richtige Ort dafür.